Prix du Gostam - Holger Faust im Interview
- Luis Kimmel

- 30. Mai
- 6 Min. Lesezeit
Einen seltenen deutschen Starter wird es am Sonntag im G1 Prix du Jockey Club, dem französischen Derby in Chantilly geben. Neun Jahre ist es her, dass zuletzt ein Pferd aus einem deutschen Rennstall sich in diesem Rennen die Ehre gab. BE MY SHERIFF (Lawman) endete auf dem neunten Platz für Nadine Siepmann und den damals noch in Deutschland aktiven Trainer Miroslav Rulec. Den zweiten Platz belegte damals Gestüt Ammerlands späterer Arc Sieger WALDGEIST (Galileo).
Nun ist es das Team um GOSTAM (Saxon Warrior), dass in Frankreich nach den Sternen greift. Der Dreijährige aus Fährhofer Zucht wird von Andreas Wöhler für Darius Racing und Michael Motschmann trainiert. Jeder, der den Sport in Deutschland in den letzten Monaten verfolgt hat, weiß, dass dieser Start von Gostam von sehr weiter Hand geplant ist. Bereits im Oktober wurde kommuniziert, dass ein Start im Prix du Jockey Club für Gostam das Hauptziel 2026 sein wird.
Vier Starts, vier Siege. Darunter überlegene Erfolge im G3 152. Renate und Albrecht Woeste - Zukunfts-Rennen und im G3 Wettstar.de Preis des Winterfavoriten zweijährig. Dreijährig startete man direkt auf Gruppe 2-Ebene im Wettstar.de Bavarian Classic in München.
Darius Racings Racing Manager Holger Faust stand mir für ein Interview Rede und Antwort.
"Für uns war aus zweierlei Gründen relativ früh klar, dass das französische Derby Sinn für Gostam machen wird. Zum einen spricht natürlich sein Pedigree dafür. Zum anderen spricht die Art und Weise wie er zweijährig seine Rennen gewann dafür. Beides zusammen zeigt, dass er vielleicht nicht der allergrößte Steher sein könnte. Wenn du mit so einem Pferd in einem Derby laufen möchtest, ist das französische über 2100 Meter das logische Ziel."
Der wohl berühmteste Verwandte von Gostam ist der mehrfache Gruppe 1-Sieger FAME AND GLORY (Montjeu), der sich 2009 im G1 Epsom Derby nur dem großen SEA THE STARS (Cape Cross) geschlagen geben musste. Den meisten noch besser in Erinnerung wird der Stall Hanse Galopper GEOGRAPHY (Holy Roman Emperor) sein. Dieser wiederum war auf der Meile unterwegs. Auf ähnlich kurzen Wegen war Gostams Mutter GOIANIA (Oasis Dream) unterwegs. Sie gewann 2014 ein Listenrennen über 1400 Meter.

Taktisch wird man das Rennen ganz entspannt angehen. Natürlich wünscht man sich einen ungestörten Rennverlauf. Mit Blick auf die Bodenverhältnisse macht sich Faust wenig Sorgen: "Gostam ist schon auf verschiedenen Böden gelaufen. Auf so schneller Bahn wie am Sonntag wohl noch nicht, aber das gilt für die meisten im Feld. Man muss einfach schauen wie er damit zurechtkommt, aber er hat zweijährig gezeigt wie speedy er ist."
Bei den Bookies in England findet man Gostam zur Stunde im erweiterten Favoritenkreis bei Quoten zwischen 14,0 und 20,0. Favorit wird auch trotz der ungünstigen Startbox 15 der Aidan O'Brien Galopper CONSTITUTION RIVER (Wootton Bassett) werden. Dahinter findet man den Aga Khan Vetreter DARYZAN (Zarak). Bemerkenswert ist hier, dass Daryzan bislang nur einmal am Start war. Er gewann auf Anhieb beim Debüt vor knappen vier Wochen, ist nicht nur ein Halbbruder des Arc Siegers DARYZ (Sea The Stars), sonders auch der Iffezheimer Gruppe 2-Siegerin DARKANYA (Frankel). Er wird aus der 10 starten.
"Was die Hauptgegner angeht, gehe ich komplett mit dem Wettmarkt. Unter den Pferden, die länger als Gostam stehen, sehe ich keines, das unter normalen Bedingungen am Sonntag vor uns sein sollte," schätzt Holger Faust das Feld des Derbys am Mittwochabend ein.
Mehr Glück bei der Boxenauslosung als der Favorit des Rennens hatte Gostam. Er wird unter Billy Loughnane aus der 5 ins Rennen gehen. Die letzten sechs Gewinner starteten allesamt aus den Boxen 1 bis 6.
Vier Starts - vier Siege
Bei bislang vier Starts, konnte Gostam nun viermal auch als Gewinner das Geläuf wieder verlassen. Er debütierte am Dallmayr-Preis Tag in München. Gewann auf Anhieb gegen anständige Gegner. Zwei der geschlagenen Pferde, erzielten im weiteren Verlauf des Jahres je einen vierten Platz auf Gruppe 3-Ebene.
Für Gostam ging es in Iffezheim weiter. "Überlegen. Zwei Längen" notierte der Zielrichter nach dem G3 Zukunfts-Rennen. Der Zweite, COMMANDER'S INTENT (Victor Ludorum) platzierte sich anschließend in einem G3-Rennen in Newmarket und war in diesem Jahr Dritter im G3 Dr. Busch-Memorial.
Es lässt sich streiten welcher Sieg Gostams bisher beste Form war. Optisch war es wohl in Köln. Für einen Moment sah es danach aus, als würde der Wöhler Schützling im G3 Preis des Winterfavoriten seine weiße Weste verlieren, als LOMMI (Lope De Vega) ihm gefährlich nahe kam. An der 300-Meter Marke zeigte Gostam seine ganze Klasse und war innerhalb weniger Galoppsprünge auf fünf Längen davon gezogen. Seit 49 Jahren gelang keinem Pferd mehr das Doppel aus Zukunfts-Rennen und Winterfavorit!
Der Zweitplatzierte aus dem Winterfavoriten, Lommi, gewann im Anschluss das G3 Grosser Preis der RONDO FOOD GmbH & Co. KG - Herzog von Ratibor-Rennen. Gegen Lommi musste Gostam auch bei seinem Debüt in 2026 wieder ran. Verdrängte diesen erneut auf den zweiten Platz im G2 Bavarian Classic.
"Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis er diese ganzen Erfolge vorweisen kann. Statistisch ist er aktuell der beste Reiter in Europa"
Etwas überraschend las man am vergangenen Montag: "Gostam mit Billy Loughnane im Prix du Jockey Club".
Nach vier erfolgreichen Ritten, entschied man sich Gostams bislang ständigen Reiter und Stalljockey von Andreas Wöhler, Eduardo Pedroza auf internationaler Ebene zu ersetzen.
Holger Faust begründete die durchaus etwas überraschende Entscheidung: “Die Besitzer haben mich gebeten einen internationalen Spitzenjockey zu verpflichten. Unsere Wahl fiel dann auf Billy Loghnane. Er führt die englische Statistik an und ist momentan statistisch der beste Reiter in Europa. Er hat das bis hierhin wichtigste Rennen der Saison mit BOW ECHO (Night Of Thunder) gewonnen."
Die Rede ist hier natürlich von den G1 2000 Guineas in Newmarket.
In Frankreich kann Billy Loughnane eine für seine Verhältnisse er maue Bilanz aufweisen. Zwei Siege bei elf Ritten findet man in der Datenbank von France Galop.
"Er scheint über so viel Potenzial und Qualität zu verfügen, dass das die Unerfahrenheit in Frankreich wett machen sollte. Billy Loughnane hat bislang kein festes Engagement bei einem der großen Rennsport-Unternehmen und ist auch erst 20 Jahre jung, daher fehlen ihm natürlich noch etwas die internationalen Erfolge. Aber es ist aus meiner Sicht nur eine Frage der Zeit bis er diese ganzen Erfolge aufweisen kann," so Faust weiter.
"Gostam ist Stand heute "nur" Gruppe 2-Sieger. Daher würde er es aktuell nicht einmal in meine Top 10 schaffen, aufgrund unserer Erfolge in den vergangenen 15 Jahren"
Eine lange Liste an Pferden erhielt ich per Sprachnachricht auf die Frage wie gut Gostam im Vergleich zu den bisher von Faust betreuten Pferden sei. Neben den Erfolgen mit Darius Racing, gibt es natürlich noch die eigenen des Gestüts Karlshof. Und so ist das wirklich eine illustre Liste, von denen ich hier einige nennen möchte:
SISFAHAN und sein Vater ISFAHAN (Lord Of England) gewannen beide das G1 Deutsche Derby. DONJA (Teofilo) SEISMOS (Dalakhani), SORTILEGE (Tiger Hill), KHAN (Santiago) gewannen ebenfalls auf Gruppe 1-Ebene für Darius Racing oder das Gestüt Karlshof. Auch im G2 Derby Italiano war Faust als Racing Manager bereits doppelt erfolgreich mit BORNA (Saxon Warrior) und ARDAKAN (Reliable Man). RUBAIYAT (Areion) brachte 2019 das Kunststück zu Stande bereits als Zweijähriger zum Galopper des Jahres gewählt zu werden.
Diese Liste erhebt übrigens keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Aber wie gut ist jetzt Gostam?
"Auf dem Papier ist er zwar ungeschlagen, aber Stand heute "nur" Gruppe 2-Sieger. Daher würde er es aktuell nicht einmal in die Top 10 schaffen aufgrund unserer Erfolge in den vergangenen 15 Jahren. Aber dennoch würde ich mich aus dem Fenster lehnen und sagen, dass ich glaube, dass er der Beste sein kann. Unabhängig vom Ergebnis am Sonntag. Ich traue ihm zu ein Gruppe 1-Rennen gewinnen zu können. In ihm steckt einfach so viel Potenzial, dass ich glaube, vielleicht sogar davon überzeugt bin, dass Gostam am Ende des Tages das beste Pferd sein wird, für das ich je mitverantwortlich war."
Seitdem es einen Wettmarkt für das G1 IDEE 157. Deutsche Derby am 05. Juli gibt, steht Gostam auch an der Spitze dieses Marktes. Die höchste Quote zu der man ihn im Moment bei einem deutschen Buchmacher wetten kann, ist 7,5.
An Klasse wird es Gostam auf keinen Fall fehlen, nur hinter dem Stehvermögen stand immer ein mittelgroßes Fragezeichen und so ist weiter offen ob nach dem französischen Derby, vor dem deutschen sein könnte. Auch Faust kann uns keine zufriedenstellende Antwort geben. "Ich muss da leider eine unbefriedigende Antwort geben. Das Ziel war immer, dass Gostam in München in die Saison starten wird und dann nach Frankreich gehen soll. Alles danach ist weiter offen." Nennnungen für den G1 Grossen Preis von Baden und sogar den G1 Prix de l’Arc de Triomphe sind trotzdem schonmal vorhanden.
Ein deutscher Starter in einem großen internationalen Rennen macht immer Freude und so wünscht sicher ganz Turf-Deutschland Gostam und seinem Team Hals und Bein für das Abenteuer Chantilly.
Mit den Worten "das ist ein Star in der Zukunft" kommentierte Marvin Schridde Gostams Sieg im G3 Zukunfts-Rennen vergangenen August in Iffezheim. Die Zukunft ist jetzt!
Wo Gostam in meinem letzten Power Ranking mit Hinblick auf das Deutsche Derby auftaucht, erfährst du übrigens hier: https://www.galoppdaily.com/post/jeder-gegen-jeden-derby-dutzend-ii
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Luis Kimmel




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