Bye Bye Sandbahn - Oliver Sauer im Interview
- Luis Kimmel

- vor 2 Tagen
- 7 Min. Lesezeit
Die Sandbahnsaison auf der Dortmunder Rennbahn ist beendet und am Sonntag startet
Turf-Deutschland in Mülheim in die grüne Saison. Bereits im letzten Jahr hatte ich das
Vergnügen mich mit Oliver Sauer, Geschäftsführer des Dortmunder Rennvereins zu
unterhalten. Am letzten Sandbahn-Renntag am 08. März, nahm sich Sauer
erneut Zeit für mich. Es ging um Umsatzzahlen, Events und die
Frage, wie man den Rennsport in einer Großstadt wie Dortmund wieder stärker ins
Bewusstsein rücken kann.
"Der Bahnumsatz ist für mich der wichtigste Indikator"
Zahlen lügen nicht und genau deshalb haben wir uns zuerst mit den Fakten
auseinandergesetzt. Gefragt nach den wichtigsten Kennzahlen blickt Sauer weniger auf
Zuschauerzahlen als auf den Bahnumsatz. Geschuldet auch der Tatsache, dass
offizielle Besucherzahlen leider nicht vorliegen.
„Der Bahnumsatz ist für mich das, woran man ungefähr sieht, wie viele Leute
tatsächlich da waren“, erklärt er. „Wir hatten vor zwei Jahren in 43 Sandbahnrennen
einen Umsatz von ca. 697.600 €, davon ca. 106.100 € auf der Bahn. In der Saison
2025/26 hatten wir hier in Dortmund 51 Sandbahnrennen, einen Gesamtumsatz von
rund 956.200 € und davon einen Bahnumsatz von knapp 190.000 €. Rein von den Zahlen
her bewegen wir uns also in die richtige Richtung. Seit Corona hatten wir in dieser
Saison nicht nur den besten Gesamt- und Bahnumsatz, sondern auch die meisten
Starts und die drittmeisten Starter. Beim Umsatz pro Rennen konnten wir uns im
Vergleich zur vorherigen Sandbahnsaison um 17,3% auf 18.749 € verbessern. Im
Vergleich mit der Saison 2020/21 konnten wir um 25,49% zulegen.“
Viel wichtiger als einzelne Zahlen sei für ihn jedoch ein Gefühl:
„Ich habe das Gefühl, dass die Leute wieder gerne hierherkommen. Es sind viele neue
Gesichter dabei. Wenn ich mir zum Beispiel unsere Instagram-Zahlen anschaue,
kommen rund 35 % unserer Follower direkt aus Dortmund und genau da müssen wir
hin. Mittlerweile haben wir eine Basis an Foto- und Videomaterial, bei der ich sagen
kann: Jetzt können wir die Rennen auch wirklich gut verkaufen.“
Selbst bei schwierigen Wetterbedingungen zeige sich inzwischen eine positive
Entwicklung. „Vor ein paar Wochen hatten wir richtig schlechtes Wetter und trotzdem
war die zweite Tribüne voll. Drinnen war gute Stimmung, viele junge Leute waren da. Auf
dieser Basis ist es natürlich auch leichter, sich gegenüber möglichen Sponsoren zu
präsentieren.“
"Ich habe hier viel Freiraum"
Ein wichtiger Faktor für diese Entwicklung sei auch die Arbeitsweise innerhalb des
Vereins. „Der Vorstand lässt mir sehr viel freie Hand. Wir können hier vieles umsetzen,
ohne dass jede Idee erst durch fünfzehn Gremien muss oder ein großer Businessplan
geschrieben werden muss. Ich habe hier viel Freiraum zur Entfaltung und dafür
bin ich sehr dankbar.“
Die Rennbahn wird wieder wahrgenommen
Dass sich die Dortmunder Rennbahn langsam wieder stärker als Veranstaltungsort
etabliert, merkt Sauer auch außerhalb des Rennsports. Als Beispiel nennt er die
Eventmesse „Best of Events“. Die Messe findet jährlich in der Dortmunder Westfalen-
Halle statt und richtet sich in erster Linie an Eventagenturen, Veranstalter und
Betreiber von Eventlocations.
„Vor zwei Jahren waren wir dort noch ein absoluter No-Name. Als wir im Januar wieder
dort waren, haben Leute gezielt Meetings mit uns vereinbart und uns wiedererkannt. Da
merkt man einfach, wie viele Kontakte man in einem Jahr aufgebaut hat.“
Auf der "BoE-Messe" ist die Dortmunder Rennbahn mittlerweile etabliert. Nächstes Ziel
muss ganz allgemein die Stadt Dortmund sein.
„In ein paar Monaten haben wir dank einer Kooperation mit einem unserer Kunden, die Möglichkeit eine komplett gebrandete U-Bahn und einen Bus in Dortmund rumfahren zu haben. Wir wollen uns hier als Rennbahn, aber eben auch als Eventlocation präsentieren.“
Mitten in Dortmund verfügt die Rennbahn über rund 43 Hektar Fläche. 7.000 Quadratmeter können davon als Eventfläche genutzt werden.
Natürlich ist schön zu sehen, wenn sich auf den Rennbahnen im Land etwas tut.
Gleichzeitig muss man sich immer die Frage stellen: Rennbahn oder Eventlocation?
Sonst endet man irgendwann an dem Punkt, an dem man tolle Events veranstaltet – und
ab und zu laufen ein paar Pferde im Kreis.
Sauer sieht das pragmatisch.
„Wenn ich nur zwölf Renntage im Jahr habe, muss ich die Fläche, die wir hier haben,
natürlich auch anderweitig nutzen. Ohne die Eventlocation würde es hier keinen
Rennsport mehr geben.“ Gleichzeitig sieht er darin eine Chance.
„Über unsere Events kommen im Jahr etwa 100.000 Menschen auf das Gelände. Viele
von ihnen waren vorher noch nie hier. Wenn die einmal wissen, wo die Rennbahn ist, wo
man parken kann und wo der Eingang ist, ist die Hürde viel kleiner, später auch mal zu
einem Renntag zu kommen.“
"Nur weil etwas nichts kostet, ist es noch lange nicht interessant"
Der Eintritt zu den Dortmunder Renntagen im Winter war auch in der vergangenen
Saison wieder kostenlos. Eine bewusste Entscheidung.
„Wir haben den Eintritt damals abgeschafft, weil schlicht niemand mehr gekommen
ist“, erklärt Sauer. „Man dachte immer, wenn ein Produkt nichts kostet, wird es
automatisch interessant. Aber das stimmt nicht. Das Produkt selbst, also die Rennen,
muss interessant sein.“
Der besucherstärkste Renntag des Jahres ist in Dortmund traditionell der Sparkassen-
Renntag am Vatertag. „Man läuft entweder mit dem Bollerwagen durch die Gegend,
oder man geht auf die Rennbahn. Das ist einfach so,“ beschreibt Sauer den Renntag am
Christi Himmelfahrts-Tag.
Zur Wahrheit gehört allerdings, dass auch an diesem Tag, der Renntag weitestgehend
ohne Eintritt auskommen muss. Die Sparkasse verteilt Freikarten.
„An diesem Renntag, wie jetzt auch am letzten Renntag im Winter setzen wir mit Events
im Event an. Heute hatten wir 74 VIP-Gäste auf der Terrassentribüne. Für 35 € gab es
freies Essen und Trinken sowie einen Wettgutschein. Im Sommer wollen wir eine
Beachparty auf der Sandbahn, begrenzt auf 100 Gäste mit eigenem Bereich und echtem
Beach-Flair anbieten.“
Immer weniger Pferde
Zurück zum Anfang und zu nackten Zahlen. In der Sandbahnsaison 2025/26 kamen 205
Starter in Dortmund an den Ablauf. Seit der Saison 2019/20 die drittbeste Bilanz. Also im
Grunde eine solide Basis, oder? 2022/23 galoppierten 15 Starter mehr in Wambel, und
das bei vier Rennen weniger. Vor sechs Jahren waren es gar 234 Starter in nur 43
Rennen.
„Die Tendenz geht leider klar in die Richtung, dass wir immer weniger Pferde im Training
haben“, sagt Sauer. „Nichtsdestotrotz versuchen wir den Rennsport so attraktiv wie
möglich zu machen, damit Besitzer, Trainer und Jockeys gerne nach Dortmund
kommen. Man muss auch immer berücksichtigen, was für eine Herausforderung es ist,
ein Pferd im Winter fit zu halten. Es ist unglaublich, was für ein Aufwand betrieben wird.
Und dann läuft man vielleicht um 5.000 €. Das ist schon schmerzhaft.“
„Unsere Hausaufgabe ist es, die Rennen attraktiv zu gestalten und das Erlebnis rund um
den Renntag weiter zu verbessern“, sagt er. „Eine Möglichkeit könnten neue Serien oder
Championate sein, die auch entsprechend bepreist und gewürdigt werden.“ Solche
Formate könnten nicht nur zusätzliche Anreize für Besitzer schaffen, sondern auch neue
Sponsoren anziehen.
„Wenn man solche Serien gut aufzieht und ihnen eine Plattform gibt, dann findet man
vielleicht auch Sponsoren, die so etwas unterstützen.“
"Wir müssen unsere Arbeit gut machen"
Trotz aller Herausforderungen blickt Sauer optimistisch in die Zukunft.
„Natürlich ist man nach einem Renntag wie heute bei bestem Wetter besserer Dinge,
als wenn es in Strömen geregnet hätte“, sagt er mit einem Lächeln. „Wenn man den
Umsatz, die Besucher und die Stimmung sieht, dann stimmt einen das schon sehr
positiv. Es macht wirklich Spaß, für diese Rennbahn zu arbeiten. Man sieht, wie sich
Dinge Schritt für Schritt entwickeln und dass sich der Aufwand lohnt.“
Ein großes Thema im deutschen Rennsport bleibt weiterhin die übergeordnete
Vermarktung. Sauer sieht die Verantwortung dabei jedoch nicht ausschließlich beim
Dachverband.
„Es ist immer schwierig, über Bereiche zu sprechen, die nicht die eigenen sind“, erklärt
er. „Wir können letztlich nur auf unseren eigenen Teller schauen. Wenn die Rennbahnen
gute Arbeit leisten, der positive Trend sich fortsetzt, dass mehr Besucher auf die Bahnen kommen und wir wieder relevanter werden, dann hat der Dachverband eine gute Grundlage unseren Sport zu vermarkten.“
Leider fand das Sandbahn-Finale ohne Vertreter von Deutscher Galopp statt. Gut möglich, dass man in der Rennbahn-Straße in Köln alle Hände voll zu tun hatte mit der Galopper des Jahres-Wahl.
Die Kandidaten wurden am 08. März auf der Website des Dachverbandes veröffentlicht. Einige Stunden zuvor veröffentlichte Wettstar auf YouTube Videos zu Gostam, Hochkönig und Santagada. Problem hier: die Website, auf welche am Ende der Videos
für die Abstimmung verwiesen wurde, war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht
erreichbar. Bitter.
Als die Seite nun am Sonntag endlich erreichbar war, musste man feststellen, dass zwar
Gostam, Hochkönig und Santagda vorgestellt wurden, zur Abstimmung standen
allerdings noch die Kandidaten des Vorjahres.
Und um das Ganze abzurunden: bis zum Morgen des 16. März stand folgendes in den
Teilnahmebedingungen der wichtigsten Wahl des deutschen Rennsports: „Die
Teilnahme ist möglich bis einschließlich 14. März 2025 (12 Uhr).“ Leider wurde auch hier vergessen das Datum an 2026 anzupassen. Tatsächlich kann bis zum 22. März abgestimmt werden.
Ich möchte hier Daniel Delius Aufgalopp aus der Turf-Times Ausgabe vom 13. März zitieren: "So wurden die diesmal, im Vergleich zu manchem Verlegenheitskandidaten der Vorjahre, sehr reputierlichen Teilnehmer der Weltöffentlichkeit von Dortmund aus im TV-Stream präsentiert. Zwischen zwei Ausgleichen IV auf der Sandbahn. Wobei dieser Stream am Sonntag nicht einmal auf YouTube zu sehen war."
An dieser Stelle möchte ich die Frage in den Raum werfen, ob sich der Dachverband
künftig überhaupt noch in der Lage sieht, diese Wahl weiter durchzuführen. Ein wenig mehr Respekt gegenüber den Besitzern der Nominierten, der Wahl und den Fans kann man verlangen.
Wer übrigens noch nicht für den Galopper des Jahres 2025 abgestimmt hat, kann sich hier nochmals
über die Kandidaten informieren: WER WIRD GALOPPER DES JAHRES 2025?
Zurück nach Dortmund. Hier gibt Oliver Sauer mir und dem Sport, konkret der
Besitzervereinigung eine Idee mit an die Hand. „Ich fände es spannend, wenn es eine Art
Ranking der Rennbahnen aus Sicht der Besitzer geben würde. Für verschiedene Kriterien
gäbe es Punkte und am Ende der Saison würde ein Ranking entstehen. Dann hätte man
auch intern Argumente, um bestimmte Investitionen zu rechtfertigen, wenn man sein
Ranking verbessern möchte. Außerdem wäre es eine Form von direktem Feedback.“
Für mich war es der erste Besuch in Dortmund. Und ich habe gesehen, dass auf der
Rennbahn Dinge bewegt werden, neu gedacht und auch mal was ausprobiert wird. Das
gefällt mir.
Der nächste Renntag in Dortmund steht am 14. Mai an, wenn die Sparkasse zum Sparkassen-Renntag ruft.
Alle Termine und noch mehr Infos über die Rennbahn in Dortmund findet ihr auf der Website des Rennvereins.




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