Dabei sein war noch nie so einfach – Klaus Eulenberger im TurfMatch Interview
- Luis Kimmel

- vor 3 Tagen
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 3 Tagen
Am 05. Juni trudelte eine Pressemitteilung ein: „TurfMatch startet in Iffezheim: neuer Impuls für Rennpferdebesitzer in Deutschland.“
Konkret ist der Impuls eine Website. Eine Website, die „Newcomern und passionierten Fans den roten Teppich in die faszinierende Welt des Rennpferde-Besitzes ausrollen“ soll. So zumindest der eigene Anspruch.
Das Gemeinschaftsprojekt wird getragen von Deutscher Galopp, der Besitzervereinigung, der BGG und der Baden-Badener Auktionsgesellschaft. Im Rahmen des Renntages am 19. Juni in Mannheim sprach GaloppDaily mit BBAG-Geschäftsführer Klaus Eulenberger über die Idee hinter TurfMatch, die ersten Erfahrungen und die Frage, warum sich immer weniger Menschen für ein Rennpferd entscheiden.
Ein kurzer Blick in die Statistiken zeigt das Problem, das mit TurfMatch angegangen werden soll. 817 bei Deutscher Galopp eingetragene Besitzerinnen und Besitzer sattelten 2025 noch ein eigenes Pferd. Insgesamt waren im vergangenen Jahr nur noch rund 1.800 Pferde im Training, 550 Pferde weniger als noch vor Corona. Zum Vergleich:
Zu Beginn des Jahrtausends standen noch etwa 4.700 Pferde in den hiesigen Rennställen und verteilten sich auf über 2.000 Besitzerinnen und Besitzer.
Probleme gibt es im Rennsport, gerade in Deutschland sicherlich genug und häufig wird nur sehr langsam auch wirklich daran gearbeitet und nicht einfach nur „verwaltet“. Daher ist es sehr zu begrüßen, dass mit TurfMatch nun endlich etwas Bewegung in die „Besitzergewinnung“ kommt.
Woran liegt es, dass sich immer weniger Menschen für den Besitz eines Rennpferdes entscheiden?
„Man muss das differenzieren. Wir haben ganz viele Leute, ganz viele potenzielle Kunden, die sagen, sie haben Bock ein Rennpferd zu besitzen. Natürlich ist der Sport teurer geworden, aber man darf nicht vergessen, die Leute, die jetzt neu in den Rennsport kommen, für die kostet das, was es kostet. Die sind nicht vor 20, 15, 10 Jahren im Rennsport gewesen und stehen da und sagen „boah, ist das teuer geworden“. Das ist im Grunde unser großer Vorteil. Ein Rennpferd kostet nun mal Geld und das ist den Leuten vollkommen klar. Wir wollen es den Leuten nun einfacher machen überhaupt erst einmal in den Sport reinzukommen. Anfänglich ist das gerade auch kostentechnisch über Besitzergemeinschaften am einfachsten. Das Endziel ist aber natürlich neue Besitzer zu gewinnen, die mit einem Trainer Kontakt aufnehmen. Diesen Einstieg und Erstkontakt soll TurfMatch vereinfachen,“ fasst Eulenberger die aktuelle Situation zusammen.
Der Aufbau der Website ist recht einfach. Es werden drei Fragen gestellt: „Was fasziniert Sie am eigenen Rennstall?“ „Wie vertraut sind Sie mit dem Sport?“ und „Ihr Investitionsrahmen?“ Die Antwortmöglichkeiten sind dabei jeweils bereits vorgegeben. Je nach Antwortkombinationen werden „zertifizierte Partner identifiziert“. Man erhält eine Übersicht über sämtliche in Deutschland aktiven Trainer und Besitzergemeinschaften. In weiteren Schritten kann direkt über die Plattform, Kontakt mit Syndikaten und Trainern aufgenommen werden.
Technisch steckt TurfMatch noch in den Kinderschuhen. Gerade im digitalen Zeitalter erwartet man eine möglichst individuelle Nutzerführung mit passenden Empfehlungen und Filtermöglichkeiten. Doch der erste und wichtigste Schritt ist gemacht: Es gibt endlich eine zentrale Anlaufstelle für potenzielle Rennpferdebesitzer.
Dass es noch viel zu tun gibt, sieht auch Eulenberger nicht anders, unter dessen Fittichen das Projekt seit Anfang Mai liegt. „Das Projekt liegt bei der BBAG seit dem 1. Mai. Der aktuelle Stand ist nicht unser Anspruch, aber es ist was wir vorweisen können. Wir wollten raus damit an die Öffentlichkeit, damit nicht noch mehr Zeit verloren geht. Die Rennbahnen sind voll, die Umsätze sind gut, die Leute haben Interesse daran, Rennpferde zu besitzen und wir haben keine Zeit mehr zu verlieren“, erklärt er.
Wie eingangs erwähnt, handelt es sich um ein echtes Gemeinschaftsprojekt des Sports. „Erstmals haben sich alle maßgeblichen Kräfte unseres Sports zusammengeschlossen“, heißt es auf der Website. Federführend war anfangs noch die Besitzervereinigung, die aktuell allerdings ohne einen Geschäftsführer auskommen muss, nachdem Julian Schaffelhofer nicht mehr länger im Amt ist. Schaffelhofer übernahm die Position erst im vergangenen November. Wurde er entlassen? Hat er von sich aus gekündigt? Diese Fragen bleiben leider offen, da es von offizieller Seite dazu leider nie ein Statement gab. Man fragt sich nun, inwiefern die Besitzervereinigung nun noch überhaupt effektiv handlungsfähig sein kann. Aber seis drum. Mit der BBAG hat man sich Profis ins Boot geholt. In erster Linie, was das Verkaufen von Rennpferden angeht.
„Die BV und Julian Schaffelhofer haben eine gute Vorarbeit geleistet, darauf können wir aufbauen. Warum das Projekt nun final bei uns liegt, kann ich nicht beurteilen. Aber wir sind Experten darin neue Besitzer zu gewinnen. Wir machen in unserem normalen Leben nichts anderes. Wir reden mit Leuten über Pferde und versuchen Menschen für den Rennsport zu begeistern. Den Großteil des Budgets für dieses Projekt trägt dabei Deutscher Galopp.“
Die ersten Schritte sind getan. Wie geht es jetzt weiter?
Eine Website zu haben, ist eine schöne Sache. Jetzt muss man es schaffen, dass Leute wissen, dass es TurfMatch gibt. Sonst läuft man Gefahr, dass dieses so wichtige Projekt ähnlich endet wie einst Galoppsport-Transparent.de. Diese vom Dachverband vor bald zwei Jahren gelaunchte Website wollte mit Vorurteilen gegenüber dem Sport aufräumen. Geplant war, diese Seite im Laufe der Zeit mit Fakten zu füllen, um Rennsport-Gegnern mit echten Argumenten Paroli bieten zu können. Eine gute Idee. Seit dem Launch im Oktober 2024 hat sich auf der Seite allerdings nichts mehr getan. Schwer vorzustellen, dass überhaupt noch irgendjemand sie auf dem Schirm hat. Wie sagt man so schön? Wer nicht wirbt, der stirbt. Und nur eine einsame Pressemitteilung ist in der heutigen Zeit etwas wenig Marketing. TurfMatch wird sich daran messen lassen müssen, ob es gelingt, dauerhaft sichtbar zu bleiben und Interessenten tatsächlich zu erreichen.
Welche Maßnahmen sind für TurfMatch geplant?
„Wir stecken in den Kinderschuhen. Momentan schalten wir in den Rennsportmedien Werbung, um möglichst erst mal Zugriffe auf die Seite zu haben, natürlich auch von Neulingen, aber auch von im Rennsport etablierten Personen. Was weitere Maßnahmen angeht, möchte ich nicht sagen, dass wir zwingend Stände auf den Rennbahnen brauchen. Das müssen wir sehr reflektieren. Da müssen wir schauen, ob wir so überhaupt die Zielgruppe, die wir wollen, ansprechen. Für uns ist glaube ich eine wichtige Zielgruppe, die Personen in den verschiedenen VIP-Bereichen. Das ist vielversprechend aus meiner Erfahrung, weil die Leute schon mal im vornherein bereit sind, sich mit dem Sport zu beschäftigen und nicht nur Tagesbesucher sind. Dieses Jahr ist jetzt einfach auch ein Testballon. Was ist effektiv? Was brauchen wir an Manpower? Wo sind wir besonders erfolgreich? Wo sind wir besonders effektiv? Ich glaube auf die Effektivität kommt es an. In Baden-Baden hatten wir das Gefühl, dass wir sehr effektiv waren. Grundsätzlich kann ich aber sagen, dass wir auf keinen Fall eine Drückerkolonne sind, die über die Bahn geht und die Leute anfängt zu drücken. Wir wollen mit Leuten ins Gespräch kommen, sie für den Rennsport begeistern und wenn wir interessierte Leute finden, dann wollen wir diese natürlich relativ einfach weitervermitteln.“
Die ersten Zahlen stimmen Eulenberger vorsichtig optimistisch. Bis Mitte Juni verzeichnete TurfMatch nach eigenen Angaben rund 3.000 Besucher, zahlreiche Nutzer nahmen am TurfQuiz teil und erste Interessenten konnten bereits an den Galopp Club Süddeutschland vermittelt werden. Für eine abschließende Bewertung sei es allerdings noch deutlich zu früh. „Wir sind erst seit wenigen Wochen überhaupt in der Öffentlichkeit. Jetzt schon über Erfolgszahlen zu sprechen, wäre verfrüht“, sagt Eulenberger. „Toll wäre es, wenn wir es dieses Jahr regelmäßig schaffen, an verschiedene Trainer neue Kunden zu vermitteln. Ob die sich dann gleich ein Pferd kaufen oder sich erst beteiligen irgendwo, das sei jetzt mal dahingestellt. Die Vermittlung steht erstmal im Vordergrund.“
Damit TurfMatch dieses Ziel erreichen kann, ist die Plattform allerdings auf die Mithilfe der Branche angewiesen. „Wir sind auf die Mitarbeit der Trainer, bestehenden Galoppclubs, der bestehenden Syndikate angewiesen. Die Leute müssen ihren Input geben, ihre Daten abliefern, ihre Zeit mal kurz einbringen. Wir machen das für jeden kostenlos. Wir brauchen Feedback von denen, die schon was haben, damit wir helfen können. Wir sind nur da, um zu helfen.“, betont Eulenberger. Wer bislang noch nicht auf TurfMatch vertreten ist, kann sich jederzeit über die Website oder direkt bei der BBAG melden. Ob TurfMatch langfristig ein Erfolg wird, lässt sich heute noch nicht beurteilen. Klar ist aber: Der erste Schritt ist gemacht zukünftig wirklich neue Besitzerinnen und Besitzer gewinnen zu können. Den Erfolg wird am Ende nicht das Design der Website entscheiden, sondern ob aus interessierten Besuchern tatsächlich neue Besitzer werden. Dafür braucht es nicht nur eine gute Plattform, sondern auch die Mitarbeit von Trainern, Syndikaten und Galoppclubs und den Mut, das Projekt kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Wer sich selbst ein Bild machen möchte, findet TurfMatch unter www.turfmatch.de.
Ich bin gespannt auf eure Eindrücke. Was gefällt euch bereits? Welche Funktionen fehlen noch? Welche Informationen würdet ihr euch wünschen? Schreibt eure Meinung gerne in die Kommentare auf Facebook oder Instagram. Vielleicht fließen eure Anregungen ja in die Weiterentwicklung des Projekts ein.
Wenn du noch mehr Insights rund um den Rennsport sehen möchtest, folg mir doch auf Twitter / Instagram / Facebook / TikTok!
Luis Kimmel




Kommentare