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Deutschland ist die Reise wert – Kevin Blake im Interview

In wenigen Tagen tummelt sich ganz Rennsport-Deutschland auf dem Auktionsgelände der Baden-Badener Auktionsgesellschaft. Vom 02. bis 04. September werden in Iffezheim über 200 Jährlinge genau unter die Lupe genommen in der Hoffnung den nächsten Superstar zu finden.

Zum zweiten Mal vor Ort wird in diesem Jahr Kevin Blake sein. Blake gehört zu den renommiertesten Persönlichkeiten im Renngeschehen Europas. Als Experte arbeitet der Ire für ITV und At The Races. Als Züchter und Besitzer ist er ebenfalls erfolgreich, betreibt sein eigenes Gestüt, Golden Farm in County Tipperary. Als Mitbesitzer von JAMES J BRADDOCK (Zarak) erreichte Blake in diesem Jahr den dritten Platz im G1 Epsom Derby.

 

In Deutschland ist Kevin Blake spätestens seit dem Jahr 2024 kein Unbekannter mehr. Als Raceplanner von Joseph O’Brien reiste er zusammen mit dem Trainer nach Hoppegarten. Dort gewann AL RIFFA (Wootton Bassett) vor zwei Jahren den G1 Westminster 134. Grossen Preis von Berlin. Blake war einer der Anteilseigner des Hengstes. Ein Jahr später wurde Al Riffa an Australian Bloodstock verkauft.

Das Team um Al Riffa in Berlin-Hoppegarten
Das Team um Al Riffa in Berlin-Hoppegarten

Im Interview mit GaloppDaily spricht Kevin Blake nicht nur über die anstehende BBAG Jährlings-Auktion, sondern auch über die deutsche Zucht und Probleme, die den deutschen Rennsport belasten.

„Es ist eine Auktion, die gute Rennpferde hervorbringt“

Im vergangenen Jahr war Blake erstmals bei Deutschlands wichtigster Auktion vor Ort. Für 55.000 € hatte man bei einem Hengst von COUNTERATTACK (Redoute’s Choice) am Ende den längsten Atem: „SEVEN NATION ARMY hat uns vor Ort sehr gefallen. Ich war immer ein Fan von Counterattack. Joseph und ich hatten 2024 eine Stute von ihm gekauft, deshalb wollten wir letztes Jahr noch einen Nachkommen von ihm haben. Seven Nation Army konnte vor ein paar Wochen das erste Mal gewinnen. Wir glauben, dass er sich noch weiter verbessern wird. Wir haben mit ihm jetzt ein großes Auktionsrennen beim St. Leger-Meeting in Doncaster im Visier.“


Internationale Käufer spielen auch für die BBAG eine immer größer werdende Rolle, somit ist es ein positives Zeichen, wenn auch in 2026 einige der großen Agenten nach Iffezheim reisen werden. Diese positive Entwicklung nimmt auch Blake wahr: „Diese Auktion hatten wir schon länger auf dem Zettel. Die Statistiken zeigen, wie gut sie sich international schlägt, wenn man sich die Anzahl an Blacktype-Pferden ansieht. Wir freuen uns dieses Jahr wieder vor Ort zu sein. Es ist eine Auktion, die gute Rennpferde hervorbringt, und das ist das Wichtigste.“


Eine Sache, die man trotz der angespannten Lage in Deutschland nicht vergessen darf, ist, dass deutsche Züchter herausragende Leistungen international erzielen. Zwischen 2014 und 2023 kamen in Deutschland deutlich unter 10.000 Fohlen zur Welt. Trotzdem konnte man bemerkenswerte Erfolge auf internationaler Ebene erzielen. Zwei Arc-Siege durch WALDGEIST (Galileo) und TORQUATOR TASSO (Adlerflug), die vom Gestüt Etzean und Hans-Helmut Rodenburg gezogene TAMFANA war 2024 in den G1 Sun Chariot Stakes erfolgreich, die Höny-Hoferin PRINCESS ZOE (Jukebox Jury) gewann 2020 den G1 Prix du Cadran, der Schlenderhaner GOLIATH (Adlerflug) die G1 King George VI and Queen Elizabeth Stakes 2024 und der aus der Zucht des Gestüts Westerberg stammende LAZY GRIFF (Protectionist) platzierte sich im vergangenen Jahr als erstes deutsches Pferd überhaupt im G1 Epsom Derby, um nur einige Erfolge zu nennen.

Auch Blake ist von der Qualität der deutschen Pferde beeindruckt: „Trotz der geringen Anzahl an Fohlen, schlagen sich deutsche Pferde wirklich sehr gut. Deutsche Züchter bereiten die Pferde zwar etwas anders vor, aber am Ende sind die Rennbahnen der ultimative Prüfstein und die deutsche Vorgehensweise funktioniert offensichtlich. Joseph würde überall hingehen, um einen guten Jährling zu finden, und Deutschland ist die Reise auf jeden Fall wert.“


Deckhengste in Deutschland

Aktuell kann man beobachten in welche Richtung sich der internationale Vollblutmarkt entwickelt: mehr Frühreife und Schnelligkeit. Deutschland hingegen war schon immer ein Land der Steher mit Speed und Härte. Eigenschaften, die auch Blake zu schätzen weiß: „Wir suchen Pferde, die 2000 bis 2400 Meter stehen können, und in Deutschland wird seit jeher großer Wert daraufgelegt, solche Pferde zu züchten.“


Interessant sieht Blake den aktuellen Deckhengst-Markt in Deutschland: „Deutschland hatte einige Weltklasse-Hengste, von denen leider einige mittlerweile verstorben sind.“ Die Rede ist in erster Linie von ADLERFLUG und SOLDIER HOLLOW (beide In The Wings), wovon Letztgenannter in diesem Jahr mit seinen letzten Jährlingen auf den Auktionen vertreten sein wird. „Viele in Deutschland aktive Hengste haben nur wenige Nachkommen, gemessen an internationalen Standards. Das macht die Beurteilung oft etwas schwerer. Natürlich ruhen große Hoffnungen auf Torquator Tasso. Wir haben im letzten Jahr viele seiner Nachkommen gesehen und sind schon sehr gespannt auf seinen zweiten Jahrgang. Alson ist ein weiterer interessanter Hengst. Joseph hat eine Reihe von Alson-Nachkommen trainiert und war immer sehr zufrieden mit ihnen. Auch Japan kommt langsam in Schwung,“ schätzt Blake die aktuelle Deckhengst-Situation ein.

„Am Ende zählen die Ergebnisse auf der Rennbahn“

Wenn eine Auktion immer internationaler wird, muss sie sich auch an internationalen Maßstäben messen lassen. Mit den großen Auktionshäusern in Frankreich, Irland oder Großbritannien kann die BBAG zwar (noch) nicht mithalten, was die Organisation und den Ablauf der Jährlings-Auktion angeht, stehen die Iffezheimer allerdings in nichts nach. Gewisse Unterschiede beobachtet Blake trotzdem: „Auktionen in Deutschland sind definitiv anders. Die Vorbereitung der Jährlinge erfolgt nach einem anderen Ansatz. In Irland und auf dem internationalen Markt werden die Pferde sehr gründlich vorbereitet. Bei den Jährlingen in Deutschland merkt man hingegen, dass sie vielleicht nicht ganz so intensiv vorbereitet werden und das Ganze etwas natürlicher abläuft. Das ist kein Nachteil, sondern einfach nur ein Unterschied. Ich würde nicht vorschlagen, irgendetwas zu ändern. Am Ende zählen die Ergebnisse auf der Rennbahn.“


227 Jährlinge stehen in diesem Jahr im Katalog der BBAG Jährlings-Auktion. Sich vor der Auktion gut vorzubereiten ist das A und O. Die letzte und vielleicht wichtigste Bestätigung solle man sich laut Blake dann aber doch vor Ort holen. „Wir versuchen immer so viele Pferde wie möglich zu sehen. Manchmal werden Pferde mit eher schwachen Pedigrees zu richtig guten Rennpferden. Deswegen ist es für uns wichtig viele Jährlinge zu sehen und ihnen eine Chance zu geben“, kommentiert der Ire seine Auktions-Philosophie. Er wird oft gefragt, ob man Nachkommen von Hengst X oder Y kaufen könne. Blakes einfache Antwort: „wenn das Pferd einem gut genug gefällt und es für einen guten Preis zu haben ist, warum nicht?“

„Der Preis, den man zahlt, muss stimmen“

Die Reise nach Deutschland tritt Blake zusammen mit Joseph O’Brien an. Gemeinsam sind sie auf der Suche nach Pferden zu vernünftigen Preisen. „Letztendlich kauft Joseph für die überwiegende Mehrheit seiner Besitzer auf kommerzieller Basis ein. Daher legt er für jeden interessanten Jährling einen Preis fest, den er seiner Meinung nach Wert ist. Manchmal wird dieser Preis überschritten, dann konzentrieren wir uns auf das nächste Pferd. Der Preis, den man zahlt, muss stimmen, wenn man wirtschaftlich sein will.“


Neben dem Pedigree, dem Blake unter Umständen, nicht die wichtigste Rolle zuschreibt, ist das Exterieur, das, was überzeugen muss. „Am Ende kaufst du einen Athleten. Da kommt es einfach drauf an, wie das Pferd aussieht und wie es sich bewegt.“


Al Riffa in Berlin

2024 hatte das Team um Al Riffa seinen großen Tag in der Hauptstadt. Nach einem zweiten Platz zu CITY OF TROY (Justify) in den G1 Coral Eclipse gewann der damals vierjährige Wootton Bassett-Sohn überlegen mit fünf Längen den G1 Grossen Preis von Berlin. Bis heute erinnert sich Kevin Blake gerne an den Tag zurück: „Es war einer der besten Tage, den wir bisher erlebt haben. Zu der Zeit hatten wir eine kleine Durststrecke ohne Gruppe-1-Sieg. Al Riffa war immer ein wirklich wichtiges Pferd für uns. Es ist so schwierig, richtige Gruppe 1-Pferde zu bekommen. Es war einfach ein großartiges Abenteuer. Joseph, Dylan und ich, nur wir drei und Al Riffas Pfleger, sind damals rüber geflogen. Alle vor Ort waren so unglaublich gastfreundlich, wir haben dort viele nette deutsche Besitzer und Züchter kennengelernt, die uns übrigens damals schon einen Besuch bei der BBAG ans Herz gelegt haben.“

Al Riffa gewinnt den Grossen Preis von Berlin 2024

Geld regiert die Welt

„Als ein Außenstehender, der bislang nur auf einer einzigen Rennbahn in Deutschland war, will ich niemandem erklären, was er anders machen sollte“, reagiert Blake auf die Frage, wie sich Deutschland von den großen Rennsportnationen in Europa unterscheidet und ob es etwas gibt bei dem Deutschland dringenden Nachholbedarf habe. Jedes Land habe mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen. Oftmals sind es Probleme auch auf staatlicher Ebene, die es dem Rennsport nicht einfach machen: „Man kann nur hoffen, dass die Regierungen weltweit erkennen, dass der Rennsport eine wirklich positive Branche ist, die es zu fördern wert ist.“ Über die Lage, in der sich der Sport hierzulande befindet, weiß er natürlich bestens Bescheid: „Es ist kein Geheimnis, dass der deutsche Rennsport vor großen Herausforderungen steht. Die Fohlenjahrgänge werden immer kleiner, und die Preisgelder sind auf einem niedrigen Niveau. Gerade international ist es ein sehr, sehr hart umkämpftes Geschäft. Wir haben gesehen, was in Italien in den letzten 25 Jahren passiert ist. Man macht sich einfach Sorgen um Deutschland. Das Land hat so eine wunderbare Rennsporthistorie.“


Rund 13,85 Millionen Euro Preisgelder sollen in diesem Jahr an rund 100 Renntagen in Deutschland ausgeschüttet werden. Zum Vergleich: allein beim zwei Tage umfassenden Irish Champion Festival Mitte September werden über fünf Millionen Euro ausgeschüttet werden. In den Preisgeldern sieht Blake das größte Problem, wenn es darum geht ausländische Starter zu gewinnen. „Das Preisgeld auf Blacktype-Level in Deutschland ist nicht hoch genug. Wir lieben es mit unseren Pferden auch im Ausland zu laufen. Oft ist es aber schwierig einem Besitzer die lange Reise nach Deutschland schmackhaft zu machen, wenn es um verhältnismäßig wenig Geld geht. Ausnahmen gibt es sicherlich auf Gruppe 1-Level oder wenn wir für eine Stute Blacktype holen wollen. Wir würden gerne mehr Pferde nach Deutschland bringen, aber es ist einfach schwierig, die Besitzer davon zu überzeugen.“


Aktuell halten sieben von Joseph O’Brien trainierte Galopper noch Nennungen für deutsche Rennen. Die Nennungen teilen sich dabei auf den G1 156. Wettstar.de Grossen Preis von Baden und den G1 Mehl-Mülhens-Stiftung – 64. Preis von Europa auf. Einzig der eingangs erwähnte Seven Nation Army hält eine Nennung für ein anderes Rennen, das BBAG-Auktionsrennen in Düsseldorf Mitte September. Ein Start hier ist aber doch sehr unwahrscheinlich.

Anders sieht das bei den anderen aus. Allen voran BESET (Expert Eye) könnte die Reise nach Deutschland antreten. Blake ist einer der Mitbesitzer der fünfjährigen Listensiegerin. „Sie hat noch einige Nennungen. Das Problem bei ihr ist der Boden. Wir warten im Grunde seit ihrem letzten Start auf Regen. Wenn es also bis Ende September in Irland noch nicht geregnet hat, wäre Deutschland meiner Meinung nach eine sehr gute Option für sie. Wir können uns auch gut vorstellen in einem Gruppe 3-Rennen mit ihr anzutreten.“


Für den Iffezheimer Grand Prix kommen derzeit noch Beset, STARFORD (Beckford), SONS AND LOVERS (Wootton Bassett) und WEMIGHTAKEDLONGWAY (Australia) in Frage. Letztgenannte war zuletzt in Deutschland am Start, belegte im Juli im G1 Grossen Dallmayr Preis den achten Platz. Zu dieser Zeit im Jahr hält man sich im O’Brien-Stall alle Möglichkeiten offen. Besonders Australien ist für gute Steher immer interessant, auch wenn Blake selbst lieber in Deutschland als in Australien antreten würde: „Wir würden viel lieber nach Deutschland fahren, wenn das Preisgeld so hoch wäre, wie down under“, sagt er und lacht. „Aber leider regiert das Geld die Welt. Es ist unsere Aufgabe, unseren Pferden die Möglichkeit zu geben möglichst viel zu verdienen. Wenn wir die Möglichkeit bekommen, nach Australien zu kommen und dort an den großen Rennen teilzunehmen, ist das aus finanzieller Sicht einfach sinnvoller.“


Wie kauft man jetzt einen Gruppe 1-Sieger?

Und auch wenn O’Brien und Blake in diesem Jahr mit keinem Pferd mehr in Deutschland vertreten sein sollten, ist es gut möglich, dass man sich kommenden Freitag in Iffezheim den nächsten Star kaufen könnte. Für Aktionsneulinge hat Blake noch einen abschließenden Rat: „Schau dir so viele Pferde wie möglich an. Die Zeit muss man einfach investieren. Wir versuchen fast alle Pferde zu sehen. Wie gesagt, gibt es auch immer wieder gute Pferde mit weniger spektakulären Pedigrees. Die findet man aber nur wenn man sich die Mühe macht, wirklich viele Pferde anzuschauen. Man sollte immer für Überraschungen offenbleiben.“


Die Auktion findet am 04. September ab 10 Uhr auf dem Auktionsgelände der BBAG in Iffezheim statt. Wenn ihr nichts verpassen wollt, folgt GaloppDaily auf Twitter / Instagram / Facebook / TikTok!

Alle Updates rund um die Auktion und spannende Insights findet ihr dort. Außerdem erscheint am Montag unsere allgemeine Preview zur Auktion mit allen Infos und einer Übersicht über die spannendsten Lots. Und vielleicht finden wir gemeinsam den nächsten Gruppe 1-Sieger!


Luis Kimmel

 

 

 

 

 

 

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